Gefährliche Neugier
In den Ferien
flog Christoph mit seinen Freunden Maxi und Hugo nach Griechenland. Sie wohnten
in einem Bungalow am Strand. Christoph konnte es gar nicht erwarten sein
Surfbrett auszupacken und über das Meer zu brausen.
Sein erstes Ziel sollte eine Höhle sein. Er hatte gehört, dass ein Furcht
erregender Drache darin hauste. Er lud seine Freunde ein mitzukommen. Einmütig
meinten sie: „ Ohne uns! Dieses Abenteuer ist uns zu gefährlich! Wir ziehen es
vor hier in der Nähe zu tauchen.“
Aber Christoph war neugierig. Also schnappte er sein Surfbrett und fuhr los.
Bei den Klippen angekommen, sprang er ins Wasser und tauchte in die Höhle.
Als er seinen Kopf aus dem Wasser streckte, hörte er durchdringende Laute.
Offensichtlich gab es den Drachen wirklich. Der Drache schnaubte durch die
riesigen Nasenlöcher, warf seinen Schwanz mit der gelben Walflosse hin und her
und stampfte mit seinen blauen Beinen so heftig auf, dass die Erde bebte. Sein
Körper war dick und grün und auf dem Rücken saßen spitze, lange, rote Stacheln.
Christoph schluckte. Er fühlte sich nicht ganz wohl, aber er wollte unbedingt
näher an das Ungetüm herankommen.
Leise robbte er zu einem großen Stalagmiten. Plötzlich drehte sich der Drache
um. Dabei traf er mit dem Schwanz den Tropfstein und brach ein Stück davon ab.
Nun war Christoph zu sehen. Gefährlich blitzten die Augen des Drachen. Voller
Angst überlegte Christoph wohin er sich flüchten könnte. Da spürte er schon, wie
ihn der Drache packte und aus seinem Versteck herauszog. Spitze Zähne hatten
sich in seinen Arm gebohrt.
„Jetzt werde ich sterben!“, dachte Christoph. Der Drache schleuderte ihn in
hohem Bogen ins Wasser zurück. Benommen tauchte er aus der Höhle hinaus. Immer
schwieriger wurden die Schwimmbewegungen. Mit letzter Kraft hievte er sich auf
das Surfbrett.
Als es dämmerte und Christoph von seinem Ausflug noch nicht zurück war, begannen
Hugo und Maxi nach ihrem Freund zu suchen. Bald entdeckten sie sein Surfbrett.
Aber was war das? „Maxi, nichts wie weg hier! Da liegt ja ein Drache drauf!“,
schrie Hugo entsetzt. „Schau doch genauer!“, forderte Maxi ihn auf. „Die untere
Hälfte schaut aus wie ein Mensch, und dieser halbe Mensch hat Christophs
Badehose an.“
Vorsichtig näherten sich die Buben dem Wesen auf dem Brett. Sanft rüttelten sie
es an den Beinen. Da kam Christoph zu sich. „Warum starrt ihr mich so
erschrocken an?“, fragte Chris. „ Du hast dich etwas verändert“, brachte Maxi
stotternd hervor. „Wie verändert?“, wollte Christoph wissen.
Schweigend zog ihn Hugo mit seinem Surfbrett zum Strand und führte ihn zu einem
Spiegel. Entsetzt prallte Christoph vor seinem eigenen Spiegelbild zurück. „ Das
kann doch nicht sein! Helft mir! Ich brauche Hilfe!“, flehte er seine Freunde
an.
Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach einem Arzt. Alle Leute, denen sie
begegneten, liefen kreischend auseinander. Nur ein alter Mann blieb stehen.
„Sucht den Drachen der Wolkenfänger!“, sagte er geheimnisvoll und verschwand.
Sollte dieser Hinweis zu Christophs Erlösung führen? Die drei Freunde gingen
müde nach Hause. Vielleicht würden sie morgen verstehen, was dieser Satz
bedeutet hatte.
Am nächsten Morgen trafen sich alle beim Frühstück auf der Terrasse. „Ich habe
heute von einem Berg und Wolken geträumt“, berichtete Christoph. Hugo zeigte
lachend auf einen Berg: „ Schau, Christoph, der Berg schaut aus wie du!“ „Ha,
ha!“, meinte Chris beleidigt. „Nein, tatsächlich! Schau hin!“, jubelte Maxi.
„Wolken bleiben daran hängen, so hoch ist der!“
Sie richteten ihre Blicke auf den Berg. Der Traum! Das war es! Das war die
Erlösung!
Rasch und voller Hoffnung machten sich die drei Freunde daran den Berg zu
besteigen. Je höher sie kamen, desto mühsamer wurde es: Geröllhalden und steile
Felswände mussten bezwungen werden.
Es wurde schon dunkel, als sie endlich den Gipfel erreichten. Gerade ging der
Mond auf. Sein sanftes Licht leuchtete auf Christoph. Im selben Augenblick
verschwand die Drachengestalt und Chris war wieder wie vorher. Die Freunde
umarmten sich und jauchzten vor Glück.
Ob jemand dieses Urlaubsabenteuer glauben würde?
